1. Mannschaft verliert gegen Männedorf in der Nachspielzeit
Der SCZ unterliegt im Seederby trotz zwischenzeitlicher Führung durch zwei späte Gegentreffer 1:2 und muss sein Ziel nun anpassen: Die ersten zwei Tabellenränge wird er nicht mehr erreichen.
Von Dennis Bühler
Die erste Halbzeit war die wohl langweiligste der ganzen Saison: Während die Gäste aus Männedorf nicht ein einziges Mal gefährlich vor das Zolliker Tor kamen, konnten die Gastgeber wenigstens eine Gelegenheit verzeichnen: Sean Winkler schoss in der 35. Minute einen Freistoss an die Torlatte. In der 63. Minute traf der Zolliker Linksfuss erneut Aluminium: Der Männedorfer Goalie René Lobnik lenkte seinen Freistoss an den Aussenpfosten. Kurz darauf konnte der SCZ nicht von einer ungenügenden Faustabwehr des 19-jährigen Torhüters profitieren. Erst in der 73. Minute zeigten die Gäste ihren ersten wirklich gelungenen Spielzug: Erwin Böhler verpasste jedoch den Moment der Schussabgabe, weshalb es weiterhin beim 0:0 blieb.
Drei Minuten später führte Winkler einen Freistoss schnell aus, und der Zolliker Spielmacher Andrea Schärer zog mit dem Ball am Fuss in den gegnerischen Strafraum ein. Zwar kam es zu einer leichten Berührung mit einem Männedorfer Verteidiger, doch Schärer rutschte mehr aus, als dass er gefoult worden wäre. Der Zumiker Schiedsrichter Raphael Widmer, der zuvor eine gute Leistung gezeigt hatte, entschied zur Überraschung selbst der Zolliker Fans auf Elfmeter. Weil der eigentlich vorgesehene Penaltyschütze Tomás Hermida bereits nicht mehr auf dem Platz stand, übernahm Yves Rämi die Verantwortung. Lobnik hechtete in die falsche Ecke.
Ein Kompensationsentscheid und ein Konter in der 93. Minute
Schiedsrichter Widmer muss sich seiner Fehlentscheidung bewusst gewesen sein. Anders nämlich ist nicht zu erklären, dass er in der 87. Minute erneut auf den Elfmeterpunkt zeigte. SCZ-Verteidiger Nicolas Girod war der Ball aus kurzer Distanz an die Hand gesprungen. Der Männedorfer Spielertrainer Roger Fegble überwand SCZ-Goalie Murat Saliji sicher.
In der Schlussphase wogte das Spiel hin und her, beide Teams riskierten viel. Männedorf wusste, dass im Aufstiegsrennen nur ein Sieg die Hoffnung am Leben halten würde. Und Zollikon wollte unbedingt gewinnen, um den FCM im Kampf um Rang 2 noch abfangen zu können. In der 93. Minute setzten die Gäste zu einem letzten Konter an. Die Zolliker Abwehr war weit aufgerückt und kam zu spät. FCM-Stürmer Erwin Böhler erzielte den viel umjubelten 2:1-Siegtreffer.
Die Enttäuschung bei den Spielern des SCZ wog schwer, niedergeschlagen liessen sie die Köpfe hängen. Ihre Leistung war nicht schlecht gewesen, sie waren zumindest ebenbürtig gewesen, wohl gar einen Tick besser. Die Abwehr um Nicolas Girod, den besten Zolliker an diesem Sonntagnachmittag, stand sicher und liess kaum Torchancen zu. Im Mittelfeld gewann Matteo Felder bis zu seinem verletzungsbedingten Ausscheiden viele Zweikämpfe – nach einer Stunde musste er mit Verdacht auf Bänderriss im Fuss ausgewechselt werden. Und vorne holte Andrea Schärer mit seinen Dribblings viele Freistösse heraus, die Sean Winkler allesamt gefährlich aufs gegnerische Tor zog.
Aufsteigen kann der Sportclub Zollikon nun nicht mehr
„Wir hatten das Spiel gut im Griff“, sagte SCZ-Trainer Alain Merkli. „Der Gegentreffer in letzter Sekunde war einfach Pech.“ Nach dieser Enttäuschung müsse das Team nun Stärke beweisen und rasch wieder aufstehen. Weil YF Juventus gegen den FC Küsnacht 1:2 verlor, sind die Zolliker Aussichten auf den dritten Tabellenrang nicht schlechter geworden. Die ersten beiden Plätze allerdings sind mehr zu erreichen: Leader Herrliberg weist 14 Punkte Vorsprung auf den SCZ auf, in den vier verbleibenden Spielen ist das nicht mehr aufzuholen. Und auch Männedorf liegt nach dem Sieg im Direktduell bereits sieben Punkte vor dem SCZ.
Am kommenden Sonntag trifft die 1. Mannschaft des Sportclubs um 13.30 Uhr zuhause auf Republika Srpska. Der auf dem Stadtzürcher Fussballplatz Juchhof beheimatete Verein verlor gestern sehr deutlich 0:8 gegen den SV Höngg, der indes mit zahlreichen Verstärkungen aus seiner 1.-Liga-Mannschaft angetreten sein dürfte. Srpska ist nun wieder in Abstiegsgefahr (es liegt nur noch zwei Punkte vor dem Zweitletzten Höngg) – und für den SCZ daher ein umso gefährlicherer Gegner.
Telegramm
SC Zollikon – FC Männedorf 1:2 (0:0). Sportplatz Riet, 80 Zuschauer. SR: Widmer.
Tore: 76. Y. Rämi (Penalty) 1:0. 87. Fegble (Penalty) 1:1. 93. Böhler 1:2.
SCZ: Saliji; Stengele, Girod, T. Hermida (70. Aeschimann), Azarnait; Y. Rämi, M. Felder (60. Burger); Winkler, A. Schärer, Hugentobler; M. Schärer (86. L. Dugandzic).
FCM: Lobnik; Schmid (82. Nötzli), Fegble, Figliuolo, Huber (46. Schneider); Rottigni, Billeter, Signer, Wehrli; Rastoder, Böhler.
Bemerkungen: SCZ ohne Bühlmann, Camichel, A. Felder, Gubler, F. Hermida (alle verletzt), Kajan, Leumann, G. Rämi (alle 2. Mannschaft) sowie die abwesenden Einstein (Ausland) und Niederhauser (Wandern). Gelbe Karten: 35. Huber (Foul). 79. Schneider (Reklamieren). 85. Burger (Foul).
