Eine müde 1. Mannschaft scheitert gegen Seebach in erster Cuprunde

Eine junge und ersatzgeschwächte Zolliker Mannschaft verlor gegen den Viertligisten Seebach nach durchzogener Leistung. Bis zum Meisterschaftsstart in der 3. Liga in zwei Wochen bleibt viel zu tun.

Von Dennis Bühler

In der Anfangsphase des Spiels der ersten Pokalrunde waren die Zolliker Gäste auf der Sportanlage Eichrain die aktivere und bessere Mannschaft, die einige Torchancen verzeichnete: Ein Schuss von Marco Schärer traf nach elf Minuten den Aussenpfosten, acht Minuten später liess Sandro Camichel mehrere Gegner stehen. Der Goalie des SV Seebach liess den scharfen Schuss des Zolliker Flügelspielers nach vorne abprallen, doch verpassten es die Gäste entschieden nachzusetzen. In der 22. Minute passte Camichel ins Sturmzentrum zu Fernando Hermida. Der 33-jährige Spanier, der erstmals seit bald einem Jahr wieder in einem Ernstkampf eingesetzt wurde, leitete „blind“ in den freien Raum weiter, Michael Hugentobler war schneller am Ball als sein Gegenspieler und überlistete den Seebacher Goalie mit einem schönen Heber zum 1:0.

Der Ausgleichtreffer vier Minuten später war aus Zolliker Sicht alles andere als zwingend: Tomás Hermida liess seinem Gegenspieler nach einem Eckball viel zu viel Platz, Murat Saliji war mit seinen Händen zwar noch am Ball, musste den Kopfball aus kurzer Distanz aber passieren lassen. Danach hätte die Partie auf beide Seiten kippen können, Seebach aber hatte in seinen Aktionen mehr Glück. Ein Distanzschuss von Rico Bühlmann aus rund dreissig Metern über den zu weit vor dem Tor postierten Schlussmann hinweg prallte vom Pfosten ins Feld zurück, drei Minuten später erzielten die Gastgeber das 2:1. Nach einem Pass in die Spitze hatten die Innenverteidiger zu zögerlich reagiert, auch Saliji war einen Schritt zu spät gekommen.

Nach hartem Training waren die Kraftreserven zu gering

Nach der Pause wurden die beiden angeschlagenen Fernando und Tomás Hermida durch Valentin Kälin und Severin Oechslin ersetzt. Die neu formierte zentrale Abwehr um Ivo Dugandzic und Oechslin war zwei Minuten nach dem Wiederanpfiff noch nicht auf der Höhe: Ein gegnerischer Stürmer dribbelte sich durch die Zolliker Hintermannschaft, wurde nicht angegriffen und bezwang Saliji ohne Mühe zum 3:1.

Seebach dominierte das Spielgeschehen nun, die Zolliker hatten den Angriffen der Gastgeber wenig entgegenzusetzen. Das harte Programm, mit dem die beiden Trainer Alain Merkli und Werner Kienle die Mannschaft in den vergangenen Tagen bedacht hatten, hatte sichtbare Spuren hinterlassen: Am Donnerstagabend baten sie die Spieler zu einer normalen Trainingseinheit, am Freitag bestritt der SCZ ein Testspiel (und verlor gegen den Viertligisten Rümlang nach schwacher Leistung 2:3), am Samstagvormittag war intensives Jogging angesagt, am Nachmittag eine zweite Einheit auf dem Fussballplatz.

Entgegen dem Spielverlauf gelang den Zollikern in der 65. Minute der Anschlusstreffer. Ein missglückter Schussversuch von Dugandzic war zur idealen Vorlage für Camichel geworden, der mit etwas Glück durch die Beine des Goalies hindurch ins Tor traf. Als ein Stürmer der Gastgeber wegen Ballwegschlagens mit einer gelb-roten Karte vom Platz gestellt wurde, schöpften die Zolliker noch einmal Hoffnung. Die Kraftreserven aber waren zu gering, und so war Seebach dem 4:2 stets näher als der SCZ dem Ausgleichtreffer. Einzig Marco Schärer kam in der 87. Minute aus guter Position noch zum Abschluss, scheiterte aber erst per Kopf und nach einem Querpass von Hugentobler erneut, da er den Ball nicht richtig traf. Zu Beginn der fünfminütigen Nachspielzeit klärte Dugandzic in extremis auf der eigenen Torlinie, nachdem ein Seebacher Spieler nach einem Eckball freistehend zum Kopfball gekommen war.

Cup-Aus in der ersten Runde – wie immer in diesem Jahrtausend

Wenigstens hatten die Zolliker gekämpft und sich nach Kräften gegen die Niederlage gewehrt; ihre Leistung aber war nicht gut gewesen. Die zahlreichen Absenzen wogen zu schwer, die erfahrenen Alessandro Felder, Nicolas Girod, Andrea Schärer, Christian Stengele oder Sean Winkler wurden schmerzlich vermisst. Junge Spieler wie Conan O´Brien (Jahrgang 1994), Rico Bühlmann (1993) oder vor allem Valentin Kälin (1992) zeigten gute Ansätze, konnten die arrivierten Spieler aber verständlicherweise noch nicht adäquat ersetzen. Kein Zolliker vermochte über sich hinauszuwachsen, die Seebacher investierten mehr und verdienten sich die Qualifikation für die zweite Pokalrunde. Bis zum Meisterschaftsstart in zwei Wochen gegen den 3.-Liga-Aufsteiger Meilen (Sonntag, 26. August) bleibt für die 1. Mannschaft des SCZ viel zu tun. Am kommenden Samstag testet das Team gegen den Drittligisten FC Affoltern am Albis.

Die Zolliker Trainer Alain Merkli und Werner Kienle hatten das Cupspiel gegen den SV Seebach schon im Vorhinein zum Testspiel ohne grosse Bedeutung erklärt und die Priorität auf die primär der Kondition dienlichen Trainingseinheiten gelegt. Das Zolliker Ausscheiden – wie immer in diesem nun bereits zwölf Jahre alten Jahrtausend in der ersten Runde – war folgerichtig. Schade eigentlich.

Telegramm

SV Seebach – SC Zollikon 3:2 (2:1). Sportplatz Eichrain, 30 Zuschauer. SR: Lozic.

Tore: 22. Hugentobler 0:1. 26. 1:1. 32. 2:1. 47. 3:1. 65. Camichel 3:2.

SCZ: Saliji; O´Brien (56. Oettli), T. Hermida (46. Oechslin), I. Dugandzic, Martin; Camichel, Y. Rämi, R. Bühlmann, Hugentobler; F. Hermida (46. Kälin), M. Schärer.

Bemerkungen: 80. gelb-rote Karte gegen einen Seebach-Stürmer. Gelbe Karten gegen die Zolliker Martin und Dugandzic (beide wegen Fouls) und Oechslin (wegen Reklamierens). In der zweiten Halbzeit agierten Kälin als Flügelspieler und Hugentobler als Stürmer. Ab der 56. Minute spielte I. Dugandzic als Aussenverteidiger, Oechslin und Oettli bildeten die Innenverteidigung. SCZ unter anderem ohne Einstein, A. Felder, M. Felder und Niederhauser (alle verletzt) sowie Aeschimann, Azarnait, C. Bühlmann, Burger, Girod,  Gubler,  Kajan, Leumann, A. Schärer und Winkler (alle abwesend).