von Fabian von Rechenberg
Bevor wir zum Spiel gegen Uster kommen, möchte ich mich bei allen Lesern für meinen unqualifizierten Schreibstil entschuldigen. Denn der wahrscheinlich grösste regionale Sportjournalist aller Zeitern, „Hans Nötig“ persönlich, hat sich über meinen letzten Bericht enerviert, nachdem ich seine Meilemer Goldküstenmaradonas kritisiert hatte. Im Nachhinein muss ich sagen, dass dabei wahrscheinlich einfach nur der Geltungsdrang aus mir gesprochen hatte. Wie sonst wäre es zu erklären, dass ich mich dazu verleiten liess, die reifen, kritikfähigen und übersportlichen Strahlemänner aus der Weltstadt (!) Meilen zu beleidigen?
Nun will ich mich einsichtig zeigen, denn schliesslich soll dies der erste Schritt zur Besserung sein. Der Anwalt von Hans Nötig und seine Brüder der Familie Abu-Chakar konnten es sich leider noch nicht einrichten, dabei hätten wir doch extra noch Kekse bei Wendy gebacken und für den Trainerstaff hätten wir sogar noch ein Glas Milch oben drauf gepackt. Schade, vielleicht beim nächsten mal.
Kein schönes Spiel
So, nun aber raus aus der Dorfdisco und rein ins Spiel. Die 2. Mannschaft von Zollikon musste schliesslich wieder einmal ihr Lazarett zusammenkratzen, um die Freunde aus Uster in Empfang zu nehmen. Diese reisten ebenfalls ersatzgeschwächt ohne ihren Kapitän Andreas Mantel, dafür aber frühzeitig an. Begründungen für die Abwesenheit des Spielführers der Gäste gab es verschiedene. Dem Trainer kam zu Ohren, er sei krank, einer seiner Mitspieler meinte, er habe die Bänder gezerrt, und sein Kontrahent Schlagi auf der Gegenseite meinte, dass Sabrinas Leine inzwischen so kurz sei, dass sie Andreas direkt am Halsband halte. Fakt ist, der Denker und Lenker im Spielaufbau fehlte bei den Gästen an allen Ecken und Enden.
Dies zeigte sich auch bereits in den ersten Spielminuten. Die Zolliker hatten mehrheitlich den Ball und liessen diesen zumindest hinten herum auch gut zirkulieren. Sie waren bemüht das Spiel zu machen, konnten allerdings die mangelnde Trainingspräsenz nicht verbergen. Zu viele Stockfehler, zu viele schwache Ballannahmen und zu viele einfache Fehpässe waren die Folge. Welch Glück, dass der FC Uster, der am Dienstag mit fünf Spielern und am Donnerstag gar nicht hatte trainieren können, auch nicht gerade viel entgegen zu setzen wusste. So kamen die Zolliker trotzdem zu einigen Abschlüssen und fand das Spiel mehrheitlich in der Hälfte der Gäste statt, die auf Konter lauerten.
Ein Anflug von Anarchie
Einen solchen Konter trugen sie in der 25. Minute sauber vor. Salatti machte, wie in der Mannschaftsbesprechung gefordert, Druck auf den gegnerischen Aussenverteidiger. Dieser konnte ihn aber mit einem einfachen Pass auf den Flügel ausspielen, weil Casio, der von Pacquiaos Box-Niederlage sichtlich gezeichnet auf dem Riet erschienen war, zu weit von seinem Gegenspieler weg stand. Der diagonale Querpass des Flügelspielers aus Uster war dann aber mit ganz feiner Klinge gespielt, genauso wie die Ballannahme und der Torschuss des einlaufenden Stürmers.
1:0 für den FC Uster hiess es in einem Spiel, welches zunehmend aggressiv wurde, da kein Spielleiter vorhanden war. So kam es regelmässig zu Szenen wie beim Rugby, wenn der Ball über die Einwurf-Linie trudelte, da schliesslich immer der einwerfen durfte, der zuerst den Ball in den Händen hielt. Eine plumpe Floskel wie „Anarchie herrschte auf dem Platz“ würde sich nun anbieten, doch kann ich diese hier nicht benutzen, weil es einerseits die Geschehnisse als zu geordnet darstellen würde und ich andererseits unter dem enormen Druck stehe, dass Hans Nötig immer mitliest. Deshalb lasst mich die erste Halbzeit wie folgt zusammenfassen: Die Einäugigen lagen gegen die Blinden 0:1 zurück, wobei keine Form der Sehbehinderung die Leistung des Schiedsrichters ausreichend beschreiben kann.
Die letzten weissen Haare
Nach dem Seitenwechsel wechselte das Neo-Trainergespann Dugandzic/Rechenberg die Verstärkungen aus der 1. Mannschaft ein, namentlich Rämi, Oettli, Karpf und Lionzo. Diese Massnahme zeigte Wirkung und die Zolliker konnten nun ihre Überlegenheit in echte Torchancen ummünzen, welche sie anfangs allerdings noch ausliessen.
Bis Lionzo im 16er klar gefoult wurde. Dies wurde dem Schiedsrichter akustisch mitgeteilt, sodass dieser seine erste adäquate Entscheidung treffen konnte. Den anschliessenden Elfmeter verwandelte Schlageter in der 55. Minute sicher und trug den Ball sofort zum Anspielpunkt zurück. Schliesslich wollte man sich gegen den in der Tabelle schlechter platzierten FC Uster zu Hause keine Blösse geben. Das Spiel ging danach im gleichen Stil weiter und die vergebenen Chancen färbten die letzten dunklen Haare von Rechenberg weiss (@Hans: Das ist ein Wortspiel, da der Trainer eigentlich „von Rechenberg“ heisst).
In allerletzter Sekunde
Und so schien das Unentschieden bereits in Stein gemeisselt, als die letzte Spielminute anbrach. Doch dann kam Lionzo! Heroisch – ja fast majestätisch (!) – setzte er zu einem letzten Sprint auf dem rechten Flügel an, wo er von Karpf perfekt angespielt wurde. An dieser Stelle sei lediglich deshalb auf die literarische Umschreibung verzichtet, er sei perfekt „in Szene gesetzt“ worden, weil die Szene ja bereits auf Lionzo fokussierte, folglich hanis nöd nötig. Perfekt nahm Lionzo den Ball mit rechts mit und zog nach innen, während Wendy vor Spannung draussen fast der Grill platzte. Wuchtig hämmerte Lionzo den Ball mit dem Vollrist Richtung Lattenkreuz, von wo die Engel bereits Lobeshymnen herunter geigten. Ja fast vergeigten, denn der überragend spielende C-Junioren-Goalie der Gäste begann sich nun zu strecken, als ginge es um das erste Mädchen, dass er sich anzufassen getraute. Schlicht mirakulös, wie er mit den Fingerspitzen noch die Ballnaht kratzte. Das Runde hämmerte ans Eckige beziehungsweise an den Innenpfosten. Rein oder Raus – das ist jetzt die Frage, die sich Hans noch nie stellen musste. Und tatsächlich: Der Ball lag im Netz! Toooooor, Tooor, Tor für Zollikon!!!!!
Die – weil die Mantel-Groupies fehlten – lediglich zwölf angereisten Fans aus Uster stürmten den Platz. Ein Held war geboren. Der Merchandising-Verkauf für SCZ2-Artikel explodierte umgehend, als ein Ustermer Spieler nach dem Spiel aus Versehen einen blauen Loli am Kiosk kaufte, und die Zolliker Gemeindepräsidentin verhängte eine Freinacht, die allerdings sogleich auf Anordnung der Dorfpolizei wieder geräumt wurde. Aber egal – der SC Zollikon 2 gewinnt gegen den ersatzgeschwächten FC Uster 3 in allerletzter Sekunde 2:1. Nächste Woche wird an dieser Stelle dann aus Stäfa berichtet werden, wo es hoffentlich zum Wiedersehen mit dem altbekannten Mersad Muratovic kommen wird.