Rückblick der Ec-Junioren: „Der Spass darf nicht fehlen“

Henry Schmid, Gian Vedova, Florent Byland und Dugald Gardner blicken mit Zufriedenheit zurück auf ihr erstes halbes Jahr als Trainer. Auch wenn nur ein Sieg gefeiert werden konnte, hätten alle Spieler grosse Fortschritte erzielt.

Die zurückliegende Herbstrunde war unsere erste Saison als Trainer, und sie hat uns sehr viel Spass bereitet. Wir haben viel gelernt, hart trainiert und haben in allen Bereichen Fortschritte erzielt. Dies ist vielleicht aufgrund der Resultate nicht unbedingt ersichtlich – leider konnten wir nur einen Sieg feiern –, aber jeder von Euch weiss, dass er/sie Fortschritte gemacht hat. Auch der Teamgeist ist stärker geworden seit anfangs Sommer.

Ein Teil des Teams hatte vor der vergangenen Saison noch nie im Fussballclub gespielt. Und trotzdem können wir sagen, dass es gut geklappt hat, alle spielen zu lassen und erste Erfahrungen auf dem Platz zu sammeln. Was nicht fehlen darf, ist der Spass am Fussball und den haben wir bis anhin sicher gehabt, trotz der einen oder anderen Herausforderung, die es zu bewältigen gab.

Das beste Spiel zeigten wir gegen den FC Gossau: Wir konnten nach zwei Gegentoren das Spiel noch wenden und gewannen mit 6:2.

Wir freuen uns darauf, die Rückrunde in gleicher Formation bestreiten zu können. Wir hoffen, dass wir dieses Mal auch resultatmässig für den Trainingseinsatz belohnt werden. Allen Eltern gehört natürlich auch ein Dankeschön für die Unterstützung während der ganzen Saison.

Henry Schmid, Gian Vedova, Florent Byland und Dugald Gardner

Rückblick der Fa-Junioren: „Wänn machemer äs Mätschli?“

Heute blicken die Fa-Juniorentrainer Yaser Elabed, Christian Baertschi und Bruno Bisaz zurück auf die vergangene Vorrunde.

Mit dem ersten Training am 27. August starteten drei „wilde Mädchen“ (Alexia, Luana und Xenia) und 17 „wilde Kerle“ (Jay, John, Noah, Ralph, Matteo, Abdu-Allahi, Leandro, Kerisan, Lucas, Enea, Jan, Joel, Nino, Dennis, Marlon, Yves und Patrick) in die neue Fussballsaison.  Einige der Kids brachten bereits die Routine eines ganzen Jahres mit, für andere bedeutete der Saisonbeginn den Start ihrer Fussballkarriere.

Mit grossem Elan und viel Freude wird in den Trainings dem Ball hinterher gejagt. Die erste Frage lautet immer: „Wänn machemer äs Mätschli?“ Und da sind wir auch gleich beim wichtigsten Thema in den ersten Jahren einer jeden Karriere und der Zielsetzung, der wir Trainer nachgehen: Wir wollen die Freude am Spiel bewahren und trotzdem die eine oder andere Übung einbauen. Denn auch im Fussball müssen die Grundlagen wie das Passspiel, die Ballannahme, der Torschuss und vieles mehr immer wieder geübt werden.

Tore bejubelt wie Finaltreffer in der Champions League

Ende September stand das erste von insgesamt drei Turnieren an. Trotz Dauerregen und relativ kühlen Temperaturen liessen sich die Kinder die Freude am Spiel nicht nehmen. Mit viel Einsatz wurde um jeden Ball gekämpft, und alle Tore wurden frenetisch bejubelt. Als das Turnier in der Pause wegen der Witterung abgebrochen werden musste, war die Enttäuschung bei den Kindern erst gross, dann aber auch ganz schnell wieder vergessen.

Das zweite Turnier musste wegen des frühen Wintereinbruchs Ende Oktober leider abgesagt werden. Zwei Wochen später konnte dann bei kalten, aber sehr guten Verhältnissen endlich ein ganzes Turnier durchgespielt werden. Unsere beiden Mannschaften konnten zwar nicht jeden Match gewinnen, spielten aber hervorragend zusammen und hatten viel Spass. Tore wurden bejubelt wie Finaltreffer in der Champions League und Niederlagen schnell vergessen.

Wir werden auch in der Frühjahrs-Spielzeit wieder an Turnieren teilnehmen und im Training weiter an spielerischen und taktischen Details feilen. Dabei werden auch die geliebten „Mätschli“ zentraler Teil des Trainings bleiben und für viel Bewegung und Spass sorgen.

Yaser Elabed, Christian Baertschi und Bruno Bisaz

Rückblick der Fb-Junioren: Einzig starker Regen konnte sie stoppen

Ab heute schaut alle zwei Tage ein SCZ-Team auf die vergangene Herbstrunde zurück. Den Anfang machen die jüngsten Zollikerinnen und Zolliker Fussballer, die Fb-Junioren.
Die Trainer Mauro Eichin und Sebastian Oettli erzählen von „Kafichränzlis“ und dem Turnier in Egg, als nur starker Regen den ersten Zolliker Turniersieg verhindern konnte.

Es war nicht einfach für uns, nach zwei Jahren Abschied von unseren alten F-Junioren zu nehmen. Wir hatten sehr viel mit ihnen erlebt und sie extrem lieb gewonnen. Doch wir freuten uns auch extrem auf die neuen Junioren und Juniorinnen, die in unser Team eingeteilt werden würden.

Zum ersten Mal in unserer jungen Karriere als Trainer würden wir auch Mädchen trainieren. Das stellte sich aber bereits im ersten Training als kein Problem heraus. Obwohl die Mädels ab und zu lieber Mal ein „Kafichränzli“ veranstalten, können sie, wenn sie richtig mitmachen, locker mit den Jungs mithalten. Allgemein haben wir das Gefühl, dass alle gern ins Training kommen, und dies wirkt sich positiv aus: Alle Juniorinnen und Junioren haben bereits grosse Fortschritte erzielt und werden in Zukunft hoffentlich weitere machen.

Mit drei Teams am Turnier in Egg gestartet

Die Saison bestand hauptsächlich aus Training, da wir nur an einem Turnier teilnahmen. Das einzige Turnier, das wir diese Saison bestritten, fand in Egg statt. Am Morgen war Sebi mit zwei Teams am Turnier, und die Junioren schlugen sich, trotz starken Regens, gut. Am Nachmittag trat Mauro mit einem weiteren Team an. Das Turnier lief sehr gut: Wir gewannen jedes Spiel, bis uns leider das Wetter einen Strich durch die Rechnung machte und das Turnier wegen zu starken Regens abgebrochen werden musste. Natürlich waren wir alle enttäuscht, weil wir den Wettbewerb nicht zu Ende spielen konnten. Doch konnten wir zeigen, was wir können, und haben allen Grund, um uns auf die kommenden Turniere zu freuen.

Klar ist, dass wir an einem Hallenturnier in Uster teilnehmen werden, an dem wir schon letze Saison waren und welches sehr gut organisiert ist. Wir freuen uns sehr auf dieses Turnier. Wir sehen uns aber auch noch nach anderen Hallenturnieren um, weil wir gerne noch an einem zweiten oder dritten Turnier teilnehmen würden.

Basti verlässt die Zolliker Fb-Junioren

Leider müssen wir in der nächsten Saison auf einen Junior verzichten. Basti ist mit seiner Familie nach Wien gezogen und kann leider nicht mehr bei uns Fussball spielen. Wir wünschen ihm und seiner Familie alles Gute.

Wir möchten uns noch bedanken bei allen Eltern, welche uns an den Turnieren lautstark unterstützen und die Trikots waschen. Vielen Dank auch an Conan für die Unterstützung am Turnier und an Frau Fiez für das Weihnachtsgeschenk. Wir haben uns wirklich sehr gefreut!

Sebi Oettli und Mauro Eichin

Präsidiale Gedanken zu Beginn des Jahres 2013: „Hey Schiri!“

Das meistgehörte Wörterduo auf dem Fussballplatz gehört immer der meistgehörnten Person auf dem Fussballplatz – dem Schiri!
Doch welche Rolle kommt dem Schiedsrichter zu?

Laut Definition ist er der ranghöchste Richter bei einer Sportveranstaltung. Er ist eine unparteiische Person, die das Spiel leitet und überwacht.

Und was ist der Schiri auch noch?

  1. Er ist der einzige Mensch auf der Welt, der keinen Fehler machen darf. Diese Aufgabe verkompliziert sich insofern für ihn, da der Fehler durch jeden einzelnen Zuschauer, Spieler und Trainer definiert wird und diese Personen sehr subjektive Fehlerdefinitionen vornehmen.
  2. Er ist der einzige Richter auf der Welt, über den mehr gerichtet wird als er während eines Spiels richtet.
  3. Er ist der einzige Mensch auf dieser Welt, der sich dies noch alles ehrenhalber „antut“.
  4. Er ist die einzige Person auf dem Fussballplatz, ohne die das Spiel nicht stattfinden könnte.
  5. Er ist die einzige Person auf dem Feld, bei dem sich alle, nämlich Spieler, Trainer und Zuschauer einig sind, dass ein Spiel ohne Schiri nie so gesittet über die Bühne geht wie ein Spiel mit Schiri.
  6. Er ist die einzige Person auf dem Sportplatz, welche sich jede Entscheidung kommentieren lassen muss.
  7. Er ist die einzige Person, die nach dem Schlusspfiff einsam ist und womöglich noch ausgepfiffen wird.

Nehmen wir den Schiri in unsere Familie auf!

Das Hauptproblem des Schiris ist, dass er ein Unbekannter ohne Lobby auf dem Fussballplatz ist. Denn angenommen es gäbe keine Schiris mehr, dann würden wir einen Kollegen fragen, ob er bereit wäre, das Spiel zu leiten. Wenn sich dann ein Bekannter ohne Schiriqualifikation „opfern“ würde, wären wir (Spieler, Trainer, Zuschauer, auch unter dem Namen SCZ-Familia bekannt) voller Dankbarkeit und glücklich, dass wir das Spiel beginnen können. Dementsprechend würden wir seine Entscheide akzeptieren und obige Punkte 1-7 wären kein Thema, im Gegenteil, wir würden ihm alle (oder sagen wir mal die meisten) Fehler verzeihen, uns am Schluss bei ihm bedanken und ihn zu einem Bierchen einladen.

Warum sollten wir den uns unbekannten Schiri während und nach dem Spiel nicht in unsere SCZ-Familie aufnehmen und  ihn als Familienmitglied behandeln? Ich weiss nicht, was dagegen spricht. Gut, übertreiben muss man ja nicht – aber mindestens einen Hauch von Menschlichkeit darf man der Person, welche ja anscheinend so einzigartig (oder alleine?) ist, schon entgegenbringen!

Ich wünsche Euch allen ein erfolgreiches, erfülltes 2013!

Euer Präsi

Tresi Roca

Helfende SCZ-ler für kantonales Schwingfest im Mai 2013 gesucht

Im kommenden Jahr wollen nicht nur wir Fussballer für Höhepunkte im Zolliker Sportleben sorgen. Ein einmaliger Anlass steht am 5. Mai 2013 an: das Zürcher Kantonal-Schwingfest mitten in Zollikon auf der Schulanlage Oescher.

Organisiert wird der Anlass von einem 16-köpfigen Komitee, welches sich aus aktiven Zollikern sowie Vertretern des Schwingklubs Zürichsee rechtes Ufer zusammensetzt. Präsidiert wird das OK von Jürg Widmer, einem langjährigen Sponsor des Sportclubs Zollikon. Für die Administration zeichnet seine Frau Monique Widmer verantwortlich. Den Finanzen schliesslich steht mit Nicolas Fürer der frühere Trainer der 1. Mannschaft vor, der den Verein im vergangenen Sommer verlassen und zum FC Zürich gewechselt hat.

Helfer und Helferinnen gesucht

Zwischen dem OK des kantonalen Schwingfests und dem SCZ gibt es also diverse Berührungspunkte. Schön wäre es, wenn SCZ-ler den Anlass unterstützen würden. Denn um eine solche Sportveranstaltung in dieser Grösse reibungslos durchführen zu können, ist das Komitee auf die Mithilfe aller Dorfvereine angewiesen. Es werden rund 450 Helferinnen und Helfer für diverse Jobs gesucht.

Die Helferanmeldungen müssen bis spätestens Ende Februar 2013 per Post, Fax oder Email an die Adresse auf dem Anmeldeformular gesendet sein.

Das Anmeldeformular sowie weitere Informationen finden sich direkt auf der Homepage des 103. Zürcher Kantonal-Schwingfestes. (scz)

Weihnachtsserie, Teil 3: Nothilfe, grosse Leere und wenig Hoffnung

Nach seiner Flucht vom Niger in die Schweiz (siehe Teil 1) lebte Chris Musa Muhammed ein Jahr im Armeebunker unterhalb des Forchparkplatzes. Abgesehen von seinen neuen Freunden des Sportclubs Zollikon habe er in der Schweiz nur selten christliche Nächstenliebe erlebt, sagt der Afrikaner (siehe Teil 2). Im dritten und letzten Teil der SCZ-Weihnachtsserie erzählt Chris, warum er nächtelang wach lag und weshalb er nun nach Nigeria auswandert. Und warum er nur eine grosse Leere sieht, wenn er an seine Zukunft denkt.

Aufgezeichnet und übersetzt von Dennis Bühler

 

„Solange mein Asylverfahren lief, erhielt ich zwölf Franken pro Tag. Mehr als die Hälfte der 360 Franken, die ich monatlich erhielt, schickte ich meiner Familie. Meine Mutter hat zehn Kinder zu ernähren, meine jüngsten Geschwister sind noch sehr jung. Ich bin ja selbst erst 19 Jahre alt.

Seit Mai, seit mein Asylbegehren abgelehnt wurde, erhielt ich nur noch Nothilfe. Das Geld reichte nur gerade, dass ich hier überleben konnte. Meiner Familie konnte ich kein Geld mehr schicken. Das macht mir extrem zu schaffen, es ist sehr hart für mich. Ich lag nächtelang wach, ich hielt mich für einen Versager. Ich denke, dass es mir hier etwas besser geht als meinen Angehörigen im Niger. Ich habe dieses Glück nicht verdient. Meine Verwandten setzten so grosse Hoffnung in mich, und ich habe es nicht geschafft. Es tut so weh, dass ich mich hier nicht durchgesetzt habe.

„Ich bete dafür, dass mir Nigeria zur Heimat wird“

Morgen verlasse ich die Schweiz. Hier bin ich ständig der Gefahr ausgesetzt, ausgeschafft zu werden. Die Behörden würden mich in den Niger ausfliegen, mein Heimatland. Dort aber würde ich aus religiösen Gründen verfolgt, vielleicht sogar getötet.

Ich werde den Zug nach Spanien nehmen. Beim Grenzübertritt werde ich mich verstecken müssen, wenn Zöllner durch den Zug marschieren sollten. In Spanien werde ich einige Tage bei Freunden bleiben, die ich nach meiner geglückten Einreise aus Marokko vor zwei Jahren kennengelernt habe. Danach versuche ich, einen Flug nach Lagos zu buchen, in die nigerianische Hauptstadt. Ich bin noch nie geflogen, ich habe keine Ahnung, wie lange der Flug dauern wird.

In Nigeria kenne ich niemanden. Nur meine Verlobte. Ich habe sie übers Internet kennengelernt, persönlich habe ich sie noch nie getroffen. Ich bete dafür, dass ich es nach Nigeria schaffe, dass ich mich gut mit meiner Verlobten verstehe und wir heiraten werden. Ich bete dafür, dass mir Nigeria die Heimat wird, die die Schweiz nicht werden wollte.

„Dann wäre ich der glücklichste Mensch der Welt“

Blicke ich in meine Zukunft, sehe ich nur eine grosse Leere. Ich weiss nicht, was Gott mit mir vorhat. Ich verliess Afrika vor zwei Jahren voller Hoffnung, voller Traurigkeit gehe ich zurück.

Und doch nehme ich viele glückliche Erinnerungen mit, vor allem an meine zahlreichen neuen Freunde vom Sportclub Zollikon, an meine zweite Familie also. Zum Abschied erhielt ich zur Erinnerung mein Dress mit der Trikotnummer 12 geschenkt. Ich werde meine Zeit im SCZ-Trikot nie vergessen. Viele Vereinsmitglieder haben Geld gespendet, damit ich die Rückreise nach Afrika überhaupt antreten kann. Ich bin so dankbar. Möge Gottes Segen mit ihnen sein.

Meine erste Familie – meine Mutter und meine Geschwister – werde ich vielleicht nie wieder sehen. Ich habe grosses Heimweh nach ihnen. Aber ich möchte meine Familie nur sehen, wenn es ihr besser geht. Es ist meine Aufgabe, für ihr Wohl zu sorgen. Gelingt mir dies und kann ich meine Verwandten dereinst wieder in die Arme schliessen, wäre ich der glücklichste Mensch der Welt.“

 

***

Die SCZ-Weihnachtsserie mit Chris Musa Muhammed

Vom 24. bis 26. Dezember erzählte Chris Musa Muhammed, der ein Jahr lang für die zweite Mannschaft des SCZ gespielt hatte, auf der Vereinshomepage seine Lebensgeschichte. Eine Erzählung, die zum Nachdenken anregen soll – gerade in der Weihnachtszeit.

***

Chris ist mittlerweile in Martorell, Spanien, angekommen. Er wird übermorgen Freitag nach Nigeria fliegen.

 

<- Teil 1
<- Teil 2

Weihnachtsserie, Teil 2: Der Alltag im Bunker und die Aufstiegsfeier

Weil er in seinem Heimatland aus religiösen Gründen verfolgt wurde, machte sich Chris Musa Muhammed auf, in Europa sein Glück zu suchen (siehe Teil 1 der Weihnachtsserie). Im zweiten Teil erklärt der 19-jährige Nigrer, wie sich ein Bunker von einem Gefängnis unterscheidet, wie er die Schweiz erlebt hat und welch glücklichen Momente er im Sportclub Zollikon erlebte.

Aufgezeichnet und übersetzt von Dennis Bühler

 

„Der Bunker unter dem Parkplatz gleich neben der Forchstrasse war nun für etwa ein Jahr mein Zuhause. Gemeinsam mit 17 anderen Asylbewerbern aus Afrika teilte ich mir Küche, einen Schlaf- und einen Aufenthaltsraum. Das Handy funktioniert innerhalb der dicken Bunkermauern nicht. Esswaren konnte ich in den vier Kühlschränken, die wir haben, nicht aufbewahren. Es wäre sogleich von Mitbewohnern geklaut worden. Ich hatte hier tagein, tagaus nichts zu tun. Ich bewegte mich nur zwischen Bett und Wohnzimmer, wo wir zumeist CNN schauten. Dadurch hat sich immerhin mein Englisch stark verbessert.

Wenn ich mit Kollegen in die Stadt Zürich fuhr – was wir ohnehin kaum taten, weil wir uns den Billetpreis für die Forchbahn nur selten leisten konnten –, wurden wir andauernd von Polizisten kontrolliert. Auch wenn wir uns nicht auffällig verhielten. Wir hätten in der Stadt nichts zu suchen und sollten zurück in unser Asylheim, sagten sie uns.

Zwischen einem Gefängnis und unserem Bunker gibt es nur einen Unterschied: Wir haben die Möglichkeit rauszugehen, wenn wir dies wollen. Da wir draussen aber nichts zu tun haben, da wir nicht arbeiten dürfen, ist der Unterschied letztendlich gering. Der Name und die Flagge der Schweiz sind in Afrika vielen Menschen bekannt, dort gelten sie als Symbol für Menschlichkeit. Ich aber habe in der Schweiz, abgesehen von den Erlebnissen in meinem Fussballverein, nur selten christliche Nächstenliebe erlebt.

Der Mann mit der Sporttasche in der Forchbahn

Mein grösstes Glück in den letzten anderthalb Jahren war es, beim Sportclub Zollikon Fussball spielen zu können. Ich liebte diesen Sport schon im Niger, doch ich hätte nicht gedacht, dass ich ihn während meines Asylprozesses würde ausüben können.

In der Forchbahn sah ich eines Tages einen Mann mit einer grossen Sporttasche, in deren Innern sich ein Fussball abzeichnete. Ich sprach ihn an und fragte, ob es für mich eine Möglichkeit gebe, in der Nähe Fussball zu spielen. Erst riet er mir, mich beim nahen FC Egg zu melden, doch dann erzählte er mir, dass sein Bruder beim SC Zollikon Trainer eines Teams sei. Ich gab ihm meine Telefonnummer – und zwei Tage später rief Ben Crawshaw an. Sein älterer Bruder Colin, der Mann mit der Sporttasche, hatte ihm von mir erzählt. Ben lud mich ein, ein Probetraining mit seiner Mannschaft zu absolvieren. Schon beim ersten Telefongespräch sagte ich ihm: „Don´t worry, wenn ich mitspielen darf gewinnen wir die Meisterschaft!“

„Weisse Menschen umarmten mich, ich war einer von ihnen“

Es war noch Winter, als ich zum ersten Mal mit dem SCZ trainierte. Nie zuvor hatte ich auf einem Kunstrasen gestanden, und doch konnte ich den Trainer überzeugen. Wenig später setzte er mich erstmals in Testspielen ein, dann auch in der Meisterschaft. Mitspieler schenkten mir meine ersten richtigen Fussballschuhe. Ich habe sie noch heute, in der Zwischenzeit musste ich sie mit Klebestreifen flicken. Mein Fussballteam wurde zu meiner Schweizer Familie. Ich bin in der „Familia SC Zollikon“ auf Verständnis gestossen, auf so viel Liebe, mir wurde die Hand gereicht. Es tut mir weh, meine Familie nun zurücklassen zu müssen.

Die beiden emotionalsten Momente in meinem Leben habe ich in den vergangenen zwei Jahren erlebt: Zuerst, als unser Boot spanisches Festland erreichte. Da dachte ich, mein Leben wende sich endlich zum Guten; das zweitemotionalste Erlebnis meines Lebens war das Aufstiegsspiel mit der 2. Mannschaft des SCZ zum Ende der vergangenen Saison. Gegen den FC Glattbrugg schoss ich den wichtigen Führungstreffer, am Schluss gewannen wir gegen unseren ersten Verfolger 3:1 und konnten den Aufstieg in die 4. Liga feiern. Weisse – entschuldigt bitte diesen Ausdruck, doch dies war speziell schön für mich – Menschen umarmten mich, ich war einer von ihnen, wir waren eine grosse Familie, die zusammen feierte. Ich werde diesen Tag nie vergessen. Ich bin so dankbar, dass ich Teil der Geschichte dieses Vereins habe werden dürfen.“

 

 

***
Die SCZ-Weihnachtsserie mit Chris Musa Muhammed

Vom 24. bis 26. Dezember erzählt Chris Musa Muhammed, der ein Jahr lang für die zweite Mannschaft des SCZ gespielt hat, auf der Vereinshomepage seine Lebensgeschichte. Eine Erzählung, die zum Nachdenken anregen soll – gerade in der Weihnachtszeit.

 ***

Lest morgen, 26. Dezember, wie es Chris zu schaffen machte, dass er seine Familie nicht wie erwartet unterstützen konnte, und weshalb er sich entschied die Schweiz zu verlassen. Und warum er sagt: „Blicke ich in meine Zukunft, sehe ich nur eine grosse Leere.“

 

<- Teil 1
-> Teil 3

Weihnachtsserie, Teil 1: Die Reise vom Niger in den Armeebunker

Ein Jahr lang trug Chris Musa Muhammed das Trikot des SC Zollikon. Mit der zweiten Mannschaft stieg er im vergangenen Sommer in die 4. Liga auf. Vor zwei Wochen hat der Afrikaner die Schweiz verlassen, um in Nigeria ein neues Leben zu beginnen. Vor seiner Abreise besuchte ich den 19-Jährigen im Bunker unterhalb des Forchparkplatzs, in dem er ein Jahr lang gelebt hat, und hörte zu.

Aufgezeichnet und übersetzt von Dennis Bühler

 

„Ich bin in einem kleinen Dorf in der südlichen Provinz Maradi im Niger geboren, einem der ärmsten afrikanischen Länder. Unser Dorf liegt mitten in der Wüste und ist so klein, dass man in wenigen Minuten rundherum gehen kann. Wir lebten in einer kleinen Wellblechhütte, wir hatten keine Elektrizität, kein fliessendes Wasser. Ich war viel draussen auf der Strasse, wo ich mit meinen Freunden Fussball spielte. Einen richtigen Ball hatten wir nicht, bloss Stofffetzen, die wir zu einem Ball zusammengenäht hatten. Wir spielten barfuss.

In die Schule ging ich nie, ich lernte weder schreiben noch lesen. Einzig die Koranschule besuchte ich einige Male, dort lernten wir Suren auswendig. Ich sprach nur Hausa, die Landessprache. Englisch oder Französisch, die Sprache der früheren Kolonialmacht, lernen nur die Eliten.

Gepäck, Sand- und Zementsäcke

Meine Familie war sehr arm, meine Eltern konnten kaum genug Geld verdienen, um meine zehn Geschwister und mich zu ernähren. Als mein Vater starb, musste ich als Erstgeborener Verantwortung übernehmen. Ich war nun der Kopf der Familie. Als Träger arbeitete ich beim Busbahnhof, ich trug das Gepäck Ankommender zu deren Zuhause. Manchmal arbeitete ich auch auf Baustellen, wo ich Sand- und Zementsäcke hin und her trug.

95 Prozent der Einwohner Nigers sind Muslime. In unserem Dorf aber gab es auch eine kleine katholische Kirche. Deren Pfarrer half uns Jugendlichen, die wir wenig zu tun hatten und auf den Strassen herum hängten. Er erzählte uns vom Christentum und aus der Bibel. Mit 16 Jahren konvertierte ich zum Katholizismus.

Mit dem Lastwagen durch Afrika und mit dem Kutter nach Europa

Nur etwa 50´000 der 16 Millionen Nigrer sind Christen. Leider ist die religiöse Toleranz in unserem Land sehr gering. Die herrschenden Muslime unterdrücken die Minderheiten, als Christ wurde ich verfolgt und bedroht. Deshalb, und um meiner Familie eine bessere Zukunft zu ermöglichen, entschloss ich mich vor rund zwei Jahren, Maradi zu verlassen und mein Glück in Europa zu suchen.

Auf der Ladefläche eines Lastwagens reiste ich mit vielen anderen von Niger über Algerien nach Marokko. Der Pfarrer organisierte meine Ausreise, ich musste nichts bezahlen. Wie viel die Kirche den Schleppern zahlen musste, weiss ich nicht. In Marokko bestieg ich mit zwanzig, fünfundzwanzig anderen ein Boot. Wir trieben einige Tage auf dem Ozean, wie lange die Überfahrt insgesamt dauerte, kann ich nicht sagen. Man verliert das Zeitgefühl, wenn man nichts anderes tun kann als warten und beten. Die Wellen waren riesengross, mit Bechern mussten wir Wasser schöpfen und ins Meer zurückleeren.

Von der Plaça de Catalunya in den Bunker für Asylbewerber

Wir kamen unbeschadet und von der Küstenwache ungesehen in Spanien an – wir hatten riesiges Glück. In Spanien angekommen, ging jeder sogleich seinen eigenen Weg. Ich habe keine Ahnung, was aus meinen Mitreisenden geworden ist. Ich selbst schaffte es nach einigen Tagen nach Barcelona. Auf der Plaça de Catalunya, dem grossen Platz im Zentrum der Stadt, kam ich mit einer vielleicht 50-jährigen Frau aus der Schweiz ins Gespräch. Sie schenkte mir 80 Franken, was für mich ein unvorstellbar hoher Betrag war. Wie 80 Millionen! Die Frau sagte mir, in der Schweiz gebe es einen geregelten Asylprozess. Dort hätte ich bessere Chancen, aufgenommen zu werden, als in Spanien, wo die Behörden nach wie vor nichts von mir wussten.

Mit dem Zug fuhr ich im Frühling 2011 in die Schweiz, ins Asyl-Empfangszentrum Vallorbe. Dort schickten sie mich ins Empfangszentrum nach Basel, danach in ein Asylheim in Winterthur-Töss. Drei Mal wöchentlich wurden wir Asylbewerber in einem Zimmer in der oberen Etage des Asylheims unterrichtet. Nach wenigen Monaten aber wurde ich in diesen Bunker hier in der Forch verlegt, seither kann ich nicht mehr in die Schule gehen. Und so spreche ich auch nach insgesamt 18 Monaten in der Schweiz kein Deutsch und verstehe nur einige Brocken.“

 

 ***
Die SCZ-Weihnachtsserie mit Chris Musa Muhammed

Vom 24. bis 26. Dezember erzählt Chris Musa Muhammed, der ein Jahr lang für die zweite Mannschaft des SCZ gespielt hat, auf der Vereinshomepage seine Lebensgeschichte. Eine Erzählung in drei Akten, die zum Nachdenken anregen soll – gerade in der Weihnachtszeit.

 ***

Lest morgen, 25. Dezember, wie Chris´ Alltag im Bunker neben der Forchstrasse aussah und wie er die zweite Mannschaft zum Ende der vergangenen Saison mit seinem Tor zum Aufstieg in die 4. Liga schoss. Und weshalb er sagt: „Abgesehen von Erlebnissen im SCZ habe ich in der Schweiz nur selten christliche Nächstenliebe erlebt.“

 

-> Teil 2
-> Teil 3

SCZ spielt 1:1 im Derby gegen Männedorf

Trotz vieler Chancen kommt der Sportclub nur zu einem Treffer. Nach dem 1:1-Unentschieden im Derby  überwintern die Seebuben auf Rang Drei.

Von Oli Aeschimann

Im letzten Spiel der Hinrunde trafen sich Zollikon und Männedorf zum Derby. Dass die beiden Equipen Tabellennachbarn sind und sich der Aufstieg in der ausgeglichenen Gruppe in Sichtweite befindet, verlieh der Partie zusätzliche Brisanz. Zudem hatte der SCZ in der vergangenen Saison beide Spiele gegen den FCM verloren. Nun wollten es die Zolliker besser machen. Der Sportclub startete gut in die Partie und gelangte auch zu mehreren Abschlüssen. Yves Rämi versuchte sich zwei Mal aus der Distanz, blieb hierbei aber unpräzise. Die beste Chance durch Camichel wurde von Gästetorwart Lobnik vereitelt. In der 24. Minute ging der FCM entgegen dem Spielverlauf in Führung. Erwin Böhler hatte aus rund 40 Metern über den machtlosen Zolliker Keeper Guy Rämi ins Netz getroffen. Männedorf – beflügelt durch den Treffer – liess seine stärkste Phase folgen. Doch Guy Rämi und Christian Stengele konnten bei zwei gefährlichen Aktionen im letzten Moment intervenieren. Beim Stand von 0:1 wurden die Seiten gewechselt.

Starke zweite Zolliker Hälfte

Nur drei Minuten waren in der zweiten Spielhälfte verstrichen als Yves Rämi das Skore vom Elfmeterpunkt egalisierte. Der Penalty war streng gepfiffen, Camichel war sicher in den Rücken gestossen worden, aber auch schnell zu Boden gegangen. Nach dem Ausgleich verteidigte Männedorf tief und versuchte durch schnelle Konter zu reüssieren. Viele Fehler im Aufbauspiel verhinderten aber, dass der FCM zu einer weiteren Torgelegenheit kam und der SCZ war dem Siegtreffer näher. Die eingewechselten Fernando Hermida und Albert Gubler hatten dem Zolliker Angriff neuen Schwung verliehen. Der hervorragende René Lobnik im Tor vom FCM widerstand jedoch allen Zolliker Anläufen.

Unkonstante Leistungen in der Hinrunde

Im hart geführten Derby ist Männedorf nach der gezeigten Leistung mit dem Punkt gut bedient, in der letzten Saison war die Männedorfer Defensive noch viel stabiler gewesen. Zollikon brachte sich durch mangelhafte Konsequenz im Angriff selbst um den Sieg. Captain Alessandro Felder bemerkte nach der Partie: „Das Tor von Männedorf war sehr glücklich, doch vor allem hat unsere Mannschaft zu wenig aus den Möglichkeiten gemacht.“ Stark war bei Zollikon die Zentrale um das Innenverteidiger-Duo Stengele/Girod und die Mittelfelderspieler Yves Rämi und Alessandro Felder. Doch bester Spieler bei den Seebuben war der Jüngste: Renato Lionzo hatte in seinem ersten Spiel in der Startformation auf dem Flügel eine kämpferisch, sowie auch spielerisch einwandfreie Partie gezeigt. Durch das Unentschieden halten sich beide Equipen die Option, um die vorderen Tabellenplätze mitzuspielen, offen.

Das Telegramm                                                                                                   

3. Liga, Gruppe 3: SC Zollikon – FC Männedorf 1:1 (0:1). Riet, 100 Zuschauer. Tore: 24. Böhler 0:1. 48. Y. Rämi (Foulelfmeter) 1:1.

SCZ: G. Rämi; Bühlmann, Girod, Stengele, Martin; A. Felder, Y. Rämi (63. Burger); Lionzo, A. Schärer, Camichel (70. F. Hermida); M. Schärer (56. Gubler).

Bemerkungen: SCZ ohne Kälin, Niederhauser, T. Hermida, Winkler, Saliji, Hugentobler (alle verletzt), Aeschimann, Dugandzic, M. Felder, Azarnait (nicht eingesetzt). Verwarnungen: 22. A. Felder, 40. Y. Rämi, 83. Lionzo.

 

 


 

 

 

U-23-Damen weiterhin im Hoch

Bereits zwei Monate hält die die Siegesserie der U-23-Fussballerinnen an.

Von Kudi Müntener

Auch im letzten Spiel vor der Winterpause gegen den FFC Ellikon-Marthalen erspielten  sich die U-23-Frauen des FC Küsnacht/Zollikon einen ungefährdeten 5:1-Erfolg. Der kühle Dauerregen tat der Spielfreude des Teams keinen Abbruch, mit schönen Kombinationen und viel Druck wurden die Gegnerinnen schon früh in die Defensive gezwungen. Dass es nach der ersten Hälfte „nur“ 2:0 hiess (Torschützinnen: Giulia Mazzola und Vera Meier) war eher auf das fahrlässige Auslassen v on Torchancen zurückzuführen. Nach dem Pausentee kullerte der Ball, zum Erstaunen aller Beteiligten, zum Anschlusstreffer des Auswärtsteams ins Tor. Dieses 2:1 erweckte jedoch die Geister zu neuen Taten. Molly Schaad mit dem Treffer zum 3:1 und dann der herrlich getretene Corner von Vera Meier welcher erneut Giulia Mazzola zum 4:1 verwerten konnte. Das 5:1 durch Sophia Vaccani bedeutete nicht nur das Schlussresultat sondern  gleichzeitig auch  das letzte Tor vor der Winterpause.

U-23 mit:  Pappa;  De Carlo, De Ven, Keiser, Stolpe; Oldokh, Good, Steiner, Meier, Renz;  Schaad, Vaccani, Mazzola